Sexuelle Übergriffe unter Kindern und Jugendlichen

Was sind sexuelle Übergriffe?

Sinnvolle Unterscheidung (nach Dirk Bange, Erziehungswissenschaftler):

Einvernehmliche sexuelle Handlungen: z B kindliche Neugier unter Gleichaltrigen, Erkundungsspiele

Sexuelle Grenzverletzungen sind unbeabsichtigte Verletzungen der Schamgrenzen, z B. ein unbeabsichtigtes Streifen der Brüste beim Aussteigen aus dem Bus. (Ist uns allen schon passiert.)

Sexuelle Übergriffe sind absichtlich durchgeführte Grenzverletzungen, z B. in den Schritt greifen, sexistische Sprüche oder Witze.

 

Jeder Mensch hat jedoch seine persönliche Schamgrenze, es findet also auch immer eine sehr individuelle Einschätzung und Einfühlung der jeweiligen Situation statt. Sobald sich etwas komisch, sich nicht mehr gut anfühlt, nicht zuordenbar ist, ist die individuelle Grenze wahrscheinlich erreicht. Und diese Gefühle sind immer richtig!

 

Sexuell strafbare Handlungen: z B Verletzung der sexuellen Selbstbestimmung, pornografische Darstellung Minderjähriger, sexuelle Belästigung, Vergewaltigung.

Entscheidend dabei ist die Machtausübung: die Sexualität ist Mittel zum Zweck. Es geht Tätern nicht in erster Linie um sexuelle Bedürfnisse, sondern um das Bedürfnis, Macht zu erleben (= sexuelle Form der Gewalt)

 

Rund 30-40 % der erwachsenen sexuellen Missbrauchstäter sind bereits im Kindes- oder Jugendalter sexuell übergriffig gewesen – und wurden laut eigenen Angaben nicht gestoppt: das Gefühl, sich aufgrund sexueller Handlungen mächtig zu fühlen, ist Auslöser für immer weitere Übergriffe. Deshalb ist eine frühzeitige pädagogische Intervention notwendig! (Siehe „Sexueller Kindesmissbrauch“)

 

Wenn ein Kind / Jugendlicher sich anvertraut:

  • Glauben Sie dem Kind! Ernst nehmen, trösten.
  • Tragen Sie Sorge, dass alle Kinder sich sicher fühlen

 

Pädagogische Intervention bei sexuellen Übergriffen unter Kindern oder Jugendlichen:

  • Übergriffige Person stoppen ohne zu diskutieren
  • Gewalt benennen
  • Signal „Das geht hier nicht!“
  • Tat, nicht Person, ablehnen
  • Respektvoller, gewaltfreier Umgangston (Vorbildwirkung)
  • Päd. Intervention hat Einsicht und Empathie zum Ziel
  • Ggf. weiterführende Maßnahmen
  • Ggf. ist Transparenz gegenüber der restlichen Klasse und den Eltern erforderlich, damit sexuelle Gewalt nicht tabuisiert wird und aus dem Fall gelernt werden kann. Holen Sie sich Hilfe von Externen: Kinderschutzzentrum (0662-44911), Schulpsychologie

 

Einflussfaktor soziales Umfeld:

  • Elterliche Gewalt, Vernachlässigung, Misshandlung und Missbrauch
  • Macho-Kultur, in der Gewalt zur Erniedrigung gebilligt wird
  • Unangemessene Vorstellungen über Sexualität
  • Bagatellisierung oder positive Bewertung sexueller Übergriffe
  • Keine oder minimale negative Konsequenzen
  • Soziale Defizite, keine altersentsprechenden Beziehungen
  • Alltagssexismus
  • Ungleichbehandlung der Geschlechter
  • Rollenbilder in Werbung, Musikvideos…
  • Gewalt in der Mainstreampornografie

 

Daraus ergibt sich die Prävention im pädagogischen Kontext:

  • Erwachsene müssen Verantwortung übernehmen
  • Klima des Hinschauens etablieren
  • Enttabuisierung von (sexueller) Gewalt
  • Jahrgangsbegleitende Sexualpädagogik und Wertediskussionen
  • Jahrgangsbegleitende Medienpädagogik und -kompetenzvermittlung
  • Vertrauenspersonen installieren, niederschwellige Beschwerdemöglichkeiten
  • Stärkung der Persönlichkeit und des Selbstbewusstseins
  • Förderung der Empathiefähigkeit
  • Frühzeitige Intervention bei Übergriffen
  • Klare Haltung zu sexueller Gewalt – Erarbeitung eines Leitfadens inkl. Notfallplänen

 

Links für Jugendliche und Erwachsene!

https://www.jugendportal.at/themen/liebe-sexualitat

https://www.feel-ok.at/de_AT/jugendliche/themen/gewalt/gewalt.cfm

https://www.feel-ok.at/de_AT/jugendliche/themen/liebe_sexualitaet/liebe_sexualitaet.cfm  

Rat auf Draht: https://www.rataufdraht.at  

Prävention & sexuelle Bildung: www.selbstbewusst.at

 

Unterrichtsmaterial:  

 

Spiel, Lust und Regeln: Sexuelle Übergriffe unter Kindern – Prävention und Intervention im Schulalltag: Download:  https://selbstlaut.org/wpcontent/uploads/2016/11/spiel_lust_regeln_leitfaden.pdf

 

Sexualerziehung:                                                                                                                                                                  Ganz schön intim. Sexualerziehung für 6- bis 12jährige: Download: https://selbstlaut.org/wp-content/uploads/Selbstlaut_Broschuere_Ganz_schoen_intim_korr201908.pdf

 

Film: Sex, we can?! www.sexwecan.at (freigegeben  ab 14)

 

Methodenhandbuch Sex, was?. Zur sexuellen und reproduktiven Bildung: Methoden für Schüler*innen ab 13 Jahren https://oegf.at/shop/sex-was/